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Neo-Zen – lebendiger Buddhismus

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Liebe Freunde des Zen,

dieses Jahr und speziell dieser Sommer werden uns noch lange in Erinnerung bleiben, denke ich. Wenn man sich aber nicht nur auf die Einschränkungen konzentriert, die diese Corona-Krise so mit sich bringt, dann fallen auch andere, Hoffnung machende Dinge auf. Selten zuvor haben so viele Menschen über unseren Lebensstil nachgedacht und Vorschläge für eine bessere Zukunft ersonnen. In China will man die Wildtiermärkte und den Verkauf lebender Tiere auf Märkten verbieten. In Deutschland ist die Massentierhaltung (und Schlachtung) in der Diskussion. Die Krise hat große Schwächen der Globalisierung und des Massentourismus offengelegt.

Was nun wirklich aus all dem wird, wissen wir nicht, aber zu der Welt, wie wir sie noch vor einem Jahr kannten, werden wir nicht zurückkehren.

Gassho

Detlef B. Fischer

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Sangha, die Gemeinschaft

Im Buddhismus spricht man von „Drei Juwelen“ (Triratna), auf die man vertrauen sollte. Diese sind Buddha, Dharma und Sangha. Diese drei Kostbarkeiten werden von Buddhisten verehrt, weil sie als Orte der Zuflucht gelten. Wer sich zum Buddhismus als seiner Religion bekennen will, der muss die dreifache Zufluchtsformel aussprechen: Ich bekenne mich zum Buddha! Ich bekenne mich zum Dharma! Ich bekenne mich zur Sangha!

Die ersten beiden Bekenntnisse verstehen sich quasi von selbst, denn wer Buddhist werden will, sieht den Religionsstifter als seinen höchsten Lehrer an. Der Dharma ist die Lehre, die der Buddha verkündet hat. Das dritte Element der Formel, Sangha, ist nicht so selbstverständlich, wie es zunächst scheint. Es hat nicht wenige spirituelle Meister gegeben, die einige Schüler unterrichteten, aber sie nicht als Gemeinschaft betrachteten und entsprechend formten. Lao-tse, der Begründer des Taoismus, hinterließ eine Schrift, aber keine Gemeinde von Schülern. Auch in Indien zu Buddhas Zeit gab es eine Fülle von Waldeinsiedlern, die nach Erlösung für sich selbst suchten.

In der Sangha finden wir - das hat sich seit Buddhas Zeiten nicht geändert - Halt und Austausch auf dem Weg. Die Mitschüler ermutigen uns, in unseren Anstrengungen nicht nachzulassen und sie können uns Rat geben bei Alltagsproblemen. Wir begegnen Menschen im Dojo, denen wir außerhalb der Zen-Praxis nie begegnet wären. Freundschaften entwickeln oder verfestigen sich, aber manchmal kommt es auch zu Konflikten. Das gehört auch dazu, denn eine Sangha ist nun mal kein Streichelzoo.
In diesem Newsletter möchte sich einmal unsere Gemeinschaft vorstellen.

Da wir keinem übergeordneten Verband angehören, ist nicht so einfach ersichtlich, wer wir eigentlich sind und wie es bei uns zugeht. Einige Mitglieder des Dojos haben kurze Texte verfasst, in denen sie über ihr Verhältnis zu unserer Praxis und Gemeinschaft schreiben.

Detlef B. Fischer
(Bild Sangha)
Was macht unsere Meditationsgemeinschaft aus?

Übende unserer Zen-Gruppe zu unserer Sangha und unserem gemeinsames Sitzen:

Marc: "Die Zen-Gemeinschaft ist mir in den letzten Jahren zu einer 'kleinen Heimat' geworden. Ein Ort der Stille und Begegnung, ein fester Angelpunkt. Zazen ist das verbindende Element, die Grundlage. Doch es sind die Menschen, die diese Gruppe für mich zu etwas Besonderem machen: unterschiedliche Charaktere auf einem Weg, den jeder für sich in der Gemeinschaft aller geht; das trägt. Raum für Austausch, Inspiration, Tiefsinn, Humor, Freude und Freigeist – eine herzliche Ermutigung zum 'Finde es selbst heraus!'"

Eva: "Für mich ist das wöchentliche gemeinsame Sitzen ein Ritual geworden, eine Stunde der Stille, versuchen an nichts zu denken, herunterkommen, und das gemeinsame Rezitieren mein Ersatz für frühere Kirchgänge. Würde mir in der Sangha mehr gemeinsame Aktivitäten wünschen, jedoch ist diese Sangha frei und ohne Verpflichtung, jeder kann teilnehmen und wieder fernbleiben, und das macht es schwer, eine feste Gemeinschaft zu entwickeln."

Annette und Markus: "Was wir am meisten schätzen an unserer Zen-Gemeinschaft ist die offene und ganz undogmatische Art, wie Zen vermittelt, gelebt und praktiziert wird. Authentisch verkörpert und vorgelebt von unserem Lehrer Detlef, und ebenso authentisch von jedem einzelnen weitergetragen. So unterschiedliche Menschen, und doch jede/r auf seine/ihre Weise interessant, klug und liebenswert."

Jens: "Als ich Mitte der 1990er Jahre zum Studieren nach Münster kam, hatte ich schon seit einigen Jahren Zazen für mich entdeckt, und eine Menge darüber gelesen, und natürlich auch selber gesessen, aber einer Sitzgruppe hatte ich mich noch nie angeschlossen. Im städtischen Veranstaltungsheft waren damals genau zwei solche Gruppen zu finden.

In der ersten, die ich besuchte, schien alles sehr formal und von heiligem Ernst durchdrungen zuzugehen. Das Dojo war geschmackvoll im asiatischen Stil eingerichtet. Alle waren konzentriert, sprachen fast nichts, trugen schwarze Gewänder, bewegten sich kontrolliert und würdevoll und machten ein strenges, verschlossenes Gesicht. Ich hatte durchaus den Eindruck, dass hier ein kraftvolles Zazen geübt wurde – aber irgendwie hatte ich ein beklemmendes Gefühl dabei.

Also probierte ich nach einigen Versuchen die andere Gruppe aus. Sie wurde schon damals von Detlef B. Fischer geleitet und traf sich zweimal die Woche in einer schlichten Hinterhofbaracke. Es sah hier nicht so schön wie in der anderen Gruppe aus, der Raum wirkte mit seinem fadenscheinigen grauen Teppichboden etwas schäbig, funktional zwar, aber ohne viel Liebe zum Detail hergerichtet. Die Zen-Zeremonie beschränkte sich auf die üblichen Gongschläge zum Anfang und zum Ende und abschließend noch das gemeinsame Rezitieren des Hannya Shingyo.

Von feierlichem Ernst oder formaler Strenge war wenig zu spüren. Dafür lachten und scherzten die Leute im Vorraum des Dojo ungezwungen miteinander, man saß auch in normaler Straßenkleidung und ich hatte von Anfang an nie das Gefühl, dass ich aufpassen müsste, um nur ja nichts falsch zu machen. Es ging locker und freundlich zu und ich fühlte mich willkommen, so wie ich war.

Bis heute hat sich daran wenig geändert.

Gesicht und treibende Kraft dieser recht formlosen und auch von großer Fluktuation geprägten Sangha ist zweifellos ihr Gründer und Leiter: Detlef B. Fischer. Detlef ist (fast) immer da. In seiner zurückhaltenden, unprätentiösen, stets freundlichen und tiefenentspannten Art und Weise gibt er der Gruppe einen nicht auf den ersten Blick sichtbaren, aber doch deutlich wahrnehmbaren inneren Halt. Dies tut er ohne große 'Lehrer-Attitüde' – aber es ist spürbar, dass seine schlichte Präsenz beim Zazen immer einen Unterschied macht.

Der weitgehende Verzicht auf strenge Regeln und Formen, die Entspanntheit und der natürliche und freundliche Umgang miteinander, zeichnen diese Sangha aus und machen es möglich, dass sich hier Menschen mit ganz unterschiedlichen persönlichen Motiven und Voraussetzungen begegnen können. Niemand muss sich zu irgendetwas bekennen. Niemand muss Mitglied im Verein werden. Niemand wird gefragt, warum er/sie kommt oder was er/sie sucht.

Wer da ist, ist da – das genügt.  Es wird in der Stille gesessen. Danach darf gesprochen und 'sogar' gelacht werden. Wer das nicht mag, kann auch ohne ein Wort zu verlieren wieder seiner Wege gehen. Um dann beim nächsten Mal auf’s neue genauso willkommen zu sein, sich dazu zu setzen.

Der gemeinsame Nenner, auf den sich alle einigen können: 2 x 30 Minuten Zazen - wunderbares 'Sitzen-in-der-Stille'.

Mehr nicht. Aber auch nicht weniger."

Klaus: "Am Sonntagmorgen ist es schön ruhig da, wo ich wohne. Trotzdem habe ich mich wieder aufgemacht, um mit anderen Übenden im Dojo an der Aegidiistraße zu sitzen, wo draußen Autos vorbeirauschen und im Hof Vorübergehende Gespräche führen, die wir weder hören sollen noch wollen. Zu Hause hätte ich es stiller.

Stille ist allerdings mehr als die Abwesenheit von Geräusch. In ihr lebt das bewusste Ein- und Ausatmen, das wir im Zazen üben. Wenn wir gemeinsam sitzen, nehmen wir gemeinsam die Stille wahr, aus der alle Laute kommen und in die sie alle zurückkehren. Dadurch erscheint sie uns klarer, sie trägt uns sozusagen. Äußere (und innere) Geräusche verlieren an Bedeutung.

Silvia Ostertag hat die gemeinsame Wahrnehmung der Stille in einem Gedicht 'Zusammen-Raum' genannt. Er bewirkt eine besondere Kraft und Sammlung."

Klara: "Für mich ist das gemeinsame Sitzen eine gute Gelegenheit mit anderen bewusst zu schweigen. Mir gefällt das Gefühl, dabei ganz frei in meiner Entscheidung zu sein."

Corona-Regeln im Dojo

  • Wöchentliche Zazen-Zeit ist bis auf weiteres nur am Sonntag (11:00 Uhr)
  • Bitte kommt so rechtzeitig (ab 10:45 Uhr ist das Dojo i. d. R. geöffnet), dass wir unter Beachtung der Abstandsregeln einzeln das Dojo betreten können.
  • Im Dojo wählt bitte einen Platz mit jeweils 1,50 m Abstand zum linken und rechten Nachbarn
  • Daher können zurzeit maximal sieben Personen (plus Detlef) am Zazen teilnehmen
  • Auf die Rezitation nach dem Sitzen verzichten wir vorläufig
  • Wir verlassen das Dojo auch einzeln, um das übliche Gedränge im Vorraum zu vermeiden

Zurück zur Normalität

  • Angesichts der seit längerem nahe Null liegenden Corona-Ansteckungszahlen für Münster haben wir beschlossen, ab August wieder in vollem Umfang unsere Meditationszeiten anzubieten. Also Donnerstags 19:30 - ca. 20:45 Uhr und Sonntags 11:00 bis ca. 12:45 Uhr
  • Im Anschluss ans Sitzen werden wir auch wieder das Sutra rezitieren. Mundschutz muss dabei nicht getragen werden
  • Falls jemand daran aus persönlichen Gründen noch nicht teilnehmen möchte, besteht die Möglichkeit, vor Beginn der Rezitation den Raum still zu verlassen
  • Sollte sich an der Corona-Lage kurzfristig etwas zum schlechten ändern, werden wir natürlich darauf reagieren
(Bild Zendo)
Teishos auf YouTube

Wir stellen in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen "Teisho"-Videos online, in denen Detlef in einem kurzen Vortrag über Inhalte und Praxis des Zen spricht - ganz im Sinne seines Anliegens, eine lebendige, für unsere heutige Lebenswirklichkeit relevante buddhistische Praxis zu formulieren.

Zusätzlich zu den Teishos stellt Detlef jetzt auch Videos über seinen eigenen YouTube-Kanal online: www.youtube.com/channel/UCEjAkz6GSpxS0g_JiFoZbOQ

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